Tofua oder 300 Tage allein auf einer Insel

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Xavier Rosset - 300 Tage allein auf einer Insel

In seinen Träumen sahen die 300 Tage allein auf einer Insel ganz anders aus. Doch schnell wurde die erträumte Inselidylle für den Schweizer Xavier Rosset zur handfesten Hölle. 

Voller Tatendrang wollte er Robinson Crusoe spielen. Mit seiner Videokamera, einer Medizinbox, einem Messer und einer Machete ausgestattet, begab er sich 300 Tage lang auf die unbewohnte Pazifikinsel Tofua, die zum Königreich Tonga gehört.

Der "Aussteiger auf Zeit" wollte ausprobieren, ob er es schafft, unter extremen Bedingungen zu überleben.

In seinem  selbst gedrehten Film zeigt er sich  beim Kampf gegen tropische Stürme, gegen Hunger und Krankheit und auch gegen Heimweh, Langeweile und aufkommende Depressionen.




Xavier kämpfte schnell ums nackte Überleben. Denn schon nach den ersten  24 Stunden im Paradies verzweifelt er.

Mehrere Stunden harrte er mit der seiner Angel am Meer aus, doch kein Fisch biss an. Er kletterte auf Kokospalmen, doch rutschte er an deren glattem Stamm immer wieder ab.

Ohne Wasser, ohne Essen, ohne Freunde und 22`000 Kilometer entfernt von allem, was er kennt, zweifelt der 32-Jährige plötzlich an seinem großen Traum: dem Leben auf einer einsamen Insel. 

Schon nach sieben Tagen hatte er mehr als genug von seinem Abenteuer auf der Insel Tofua. Die übrigens hatte schon früher berühmte Besucher. Damals unfreiwillig, waren hier im Jahr 1789 Kapitän William Bligh und einige seiner Getreuen gestrandet, nachdem die Besatzung seines Schiffs Bounty gemeutert hatte.

Während die Geschichte des Bounty-Kapitäns schnell spannend weiterging, verliefen die Tage des Xavier Rosset vorallem: Langweilig. 

Gemüse anbauen, Fische jagen, die 64 km2 grosse Insel erkunden, aufs Meer schauen. Spannend "isch anderscht..."

Bis auf einige Ausnahmen. Dazu gehört, dass sich Rosset unter telefonischer Anleitung über das mitgebrachte Satelliten-Telefon selbst einen entzündeten Finger operieren muss, ein Erdbeben und einen Wirbelsturm übersteht. 

Doch das wirklich Schlimme daran, so sollte Rosset später in einem Interview gestehen, sei es gewesen, mit niemanden sprechen zu können. Das Zeitgefühl habe er sehr schnell verloren, ein Tag nach dem anderen sei einfach verflossen. 

Am 19. Juni 2009, genau 300 nach seiner Ankunft, wird Xavier Rosset wieder abgeholt. 18 Kilogramm leichter und inzwischen zum Vollbartträger mutiert kehrt er wieder zurück in die Zivilisation.

Was er "zurück in der Zivilisation" macht? Anfangs hat er sich darauf konzentriert, seinen Film über die Zeit auf Tofua zu vermarkten und für seine Sponsoren Werbung zu machen. 

Inzwischen bietet Rosset einen speziellen Dienst an: Wer einen Monat Zeit - und ein paar tausend Franken - übrig hat, kann ebenfalls einen auf "moderner Robinson Crusoe" machen. Rosset organisiert alles, ist auf Wunsch auch dabei auf Tofua. 

Weshalb sich jemand dafür entscheiden soll, einen Monat lang auf einer einsamen Insel zu sitzen? Höhere Einsichten oder spirituelle Erleuchtung müsse man nicht erwarten, meint Rosset. "Aber man lernt sich selber kennen. Das ist schon mal nicht schlecht."





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