Ordos. Geisterstadt in der keiner leben will

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China- Ordos die Geisterstadt in der keiner leben will. Es sollte ein Vorzeigeprojekt der chinesischen Regierung werden. Mitten in einer unwirtlichen Gegend würde diese Stadt ein Symbol für die Wirtschafts- und Innovationskraft Chinas sein. Doch die Retortensiedlung New Ordos, die Platz für 300'000 Menschen bieten würde, verkommt zur Geisterstadt.


Wenn man das Stadtbild betrachtet, ahnt man wieso. Denn hier erinnert alles an einen Science-Fiction-Film: Kaum eine Wand im Zentrum von New Ordos, ist gerade. In der Stadtmitte gibt es fast keinen rechten Winkel, sondern nur geschwungene Fassaden und schräge Dächer. Aber anders als in Science-Fiction-Filmen fehlt hier das wichtigste: Die Menschen!

Denn obwohl die Stadt praktisch fertig gebaut ist, will fast niemand dort leben. Die Supersiedlung ist eigentlich ein "Vorort" der Stadt Dongsheng. Die war bis vor kurzem eine arme Bezirksstadt am Gelben Fluss. Bis zum Jahr 2000.

Da entdeckten Geologen riesige Kohle- und Gasvorkommen. 15 Prozent der Kohle- und 30 Prozent der Erdgasvorkommen des Landes sollen sich hier befinden.


Sports- Ordos- Stadium 

Dongsheng, das war nach diesem Fund klar, musste wachsen. Da es wesentlich einfacher (und günstiger) war, neu zu bauen anstelle die "alte Stadt" zu renovieren, entwarfen Planer eine Schwesterstadt, die eigentlich Kangbashi heisst, aber den Übernamen New Ordos erhielt.

Sie liegt 25 Kilometer südlich von Dongsheng. Die Idee: Die beiden Städte sollten quasi den Nord- und den Südpol einer neuen Mega-Metropole bilden, der Zwischenraum soll bis 2020 mit Industrieanlagen und Vorstadtsiedlungen gefüllt werden.

Selbst der chinesische Künstler Ai Weiwei, der in Europa als Regimekritiker bekannt ist, unterstützte den Grössenwahn. Er lancierte das Projekt "Ordos 100" und lud 100 Nachwuchsarchitekten aus aller Welt ein, um für die Stadt 100 Villen zu entwerfen – Prunkbauten, die nur Reiche würden bezahlen können.


Staus muss hier keiner fürchten...

Das Projekt, so heisst es inzwischen von offizieller Seite, sei geglückt. Alle Wohneinheiten von New Ordos seien verkauft. Doch Schätzungen zufolge leben nur 5000 Einwohner in der Stadt, die eigentlich für 300'000 Menschen konzipiert ist. Bauarbeiter erzählten westlichen Medien, dass die Stadt teilweise schon wieder zerfalle.

Offenbar wurde bei den Baumaterialien gespart, und die klimatischen Bedingungen in der Inneren Mongolei geben New Ordos wohl den Rest. An den eben erst fertiggestellten Wohnhäusern sollen bereits Rostflecken zu erkennen sein. Diese Erfahrungen halten China aber offenbar nicht davon ab, weitere Retortenstädte aus dem Boden zu stampfen.

Denn Siedlungen wie New Ordos werden zurzeit im ganzen Land am Laufband produziert – auch wenn sie nicht ganz so prunkvoll konzipiert sind wie jene im Niemandsland in der Inneren Mongolei.


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