Schweiz- Warschau - Mit dem Traktor und 19km/h ins Glück

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Altes ausgegraben: Als leidenschaftlicher Traktorensammler erfüllte sich Bauer Hans Schneider (69)  einen langersehnten Traum und tuckerte mit seinem "Traktorli" los, zwei Monate lang quer durch Europa. Jetzt steht sein treues Gefährt wieder  in der Scheune und kann auskühlen. Das "Traktorli". Es hat anstrengende Wochen hinter sich. Denn sein Besitzer ist mit ihm Tausende von Kilometern weit gefahren. Quer durch Europa. "Ich habe eben schon ein wenig "Zigeunerblut" in mir, sagt der Mann und lacht verschmitzt.


Das kann man wohl  sagen. Hans Schneider, 69, aus Wattenwil bei Worb BE geht nicht nur gern auf Reisen. Er hat auch eine Schwäche für alte Traktoren. Er sammelt sie wie andere Briefmarken.

"Ich liebe die Mechanik", sagt er. Und so hat der Bauer vor ein paar Jahren jenen Traktor entdeckt, der ihn später weit bringen sollte.

Einen Güldner, Jahrgang 1958, zwei Zylinder, luftgekühlt, 13 PS. Sechs Gänge vorwärts, zwei rückwärts. Hellblau. "Der gefiel mir auf Anhieb", erinnert er sich.

Für 300 Franken erstand er das havarierte Gefährt und brachte es wieder auf Vordermann. Und er entwarf den Plan, mit dieser Maschine eine weite Reise zu tun. "Das war mein Traum", sagt Schneider.

Er baute einen Zeltanhänger zu einem kleinen Wohnwagen um. Er studierte Karten. Er packte Reserverad, Werkzeug, Wasser und einen Kanister Diesel ein. Kleider und Vorräte. Und am 8. September 2008 fuhr Hans Schneider in Overall und Ledermütze mit Traktor und Wohnwagen los.

Er tuckerte Richtung Frankreich und liess Hof und Alltag und seine Familie hinter sich. Liestal, Elsass, Heidelberg, Siegen. Ohlendorf bei Hamburg, Firell in Ostfriesland und Kostrzyn in Polen. Warschau, Lublin und Poprad in der Slowakei. Innsbruck, Bregenz.

Zehn Stunden am Tag sass der Bauer auf seinem Traktor, die Landkarte auf dem rechten Kotflügel befestigt. Bevor die Sonne aufging, brach er auf, und wenn sie unterging, bog er auf einen Feldweg ein, parkierte hinter einer Hecke oder an einem Waldrand.

Er lebte von Beutelsuppe, Brot und Wurst. Von Früchten und Milch. Er besuchte Verwandte, Freunde und Bekannte. "Ich war zufrieden", sagt Hans Schneider. Nichts das mich aus meiner Ruhe brachte, keine Verpflichtungen und keine Termine die vor mir lagen.

Immer nur der Sonne entgegen, ganz gemütlich  und er entdeckte bei 19 Stundenkilometern die Langsamkeit. "Ich passte mich dem Traktor an und wurde auch langsamer." Hinter jeder Kurve lagen neue  Überraschungen. Ein Feld voller Blumen, eine Hecke mit Vögeln. Hans Schneider hielt an und blickte übers Land. Schaute den Fasanen zu oder den Hasen.

Wenn es  Abend wurde, meldete er seiner Frau Käthi per Kurzmitteilung auf dem Mobiltelefon, dass alles in Ordnung sei. Und dann führte er im Fahrtenheft Protokoll. Start und Ziel, Route, Dieselverbrauch und besondere Vorkommnisse.

Auch die gab es. Zweimal geriet Hans Schneider auf die Autobahn und musste von der Polizei gelotst werden. Er fuhr auch mal im Kreis herum oder in die falsche Richtung. Einmal war die Batterie seines Traktors leer, ein anderes Mal war ein Reifen des Wohnwagens platt.

Schneider fuhr bei Sonne, Regen und bei Schnee. Und er begegnete vielen netten Menschen. Er erhielt von einem Tankstellenwart Kaffee und Schokolade, von einem Bauern Äpfel und Baumnüsse im Gegentausch hatte er guten schweizerischen Bienenhonig und natürlich Schokolade dabei und erfreute dort die neuen Bekanntschaften.

Er wurde unzählige Male mit seinem Gefährt fotografiert. "Aber ich wurde nie angefeindet oder bedroht."

Am 4. November, zwei Monate nach der Abreise, kehrte Hans Schneider auf seinen Hof zurück. 6000 Kilometer war er gefahren. Seither ist er im Dorf "der Weltenbummler". Doch das ist ihm egal.

Er hat schon Pläne für eine weitere Traktorreise. Südfrankreich, Spanien, oder Russland. "Aber nicht nur bis Moskau", sagt Hans Schneider. "Bis hinter den Ural zum Baikalsee."

Auf jedenfall wünschen wir dem abenteuerlustigen Bauern eine gute Fahrt auf seiner Nächsten Reise! Und vielleicht hören wir ja wieder mal von ihm.





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